Wachstum, Widerstandskraft und Potenzial für zukünftige Urban-Forest-Projekte
Im Winter 2022/2023 wurde auf der vorgesehenen Fläche erfolgreich ein Tiny-Forest-Versuch mit rund 800 Pflanzen angelegt. Die zuvor als Rasen genutzte Fläche wurde sorgfältig vorbereitet, gefräst und eingezäunt. Eine Teilparzelle erhielt zur Optimierung der Standortbedingungen eine Aufwertung mit Terra-Preta-Erde sowie eine Mykorrhiza-Impfung, während eine direkt angrenzende, etwa gleich große Vergleichsfläche bewusst naturbelassen blieb.
Die wurzelnackten, verschulten und bereits gut entwickelten Pflanzen wurden nach einem längeren Zwischeneinschlag im Dezember 2022 sowie einem weiteren Pflanztermin im Januar 2023 mithilfe der Lochbohrerpflanzung eingebracht. Das Pflanzschema war in beiden Varianten identisch. Trotz nasskalter Witterung und zeitweise wassergesättigter Böden konnten die Pflanzarbeiten planmäßig abgeschlossen werden.
In den Sommern 2023, 2024 und 2025 wurden sowohl das Wachstum als auch mögliche Ausfälle der Pflanzen systematisch erfasst. Ergänzend dazu erfolgte eine kontinuierliche, automatisierte Aufzeichnung der Wetterdaten sowie der Bodenfeuchte und -temperatur, wodurch eine fundierte Bewertung der Standortbedingungen möglich wurde.
Die Auswertung im Jahr 2025 erlaubt folgende positiven Schlussfolgerungen:
Der Versuch kann insgesamt als gelungen bewertet werden.
Das Tiny-Forest-Konzept bestätigt sein Ziel eines raschen Wachstums und eines schnellen Bestandesschlusses. Die gewünschte natürliche Selektion innerhalb des engen Pflanzverbandes setzt erwartungsgemäß ein und trägt zur Entwicklung eines stabilen, angepassten Bestandes bei.
Die Terra-Preta-Variante zeigt deutliche Wachstumsvorteile.
Pflanzen auf der mit Terra Preta (kohlenstoff- und holzascheangereicherte Erde mit Mykorrhiza-Substrat) behandelten Fläche weisen im Durchschnitt ein signifikant höheres Höhen- und Dickenwachstum auf und erreichen rund 121 % der Vergleichsfläche. Dies ist sehr wahrscheinlich auf die verbesserte Nährstoffverfügbarkeit sowie eine dauerhaft etwas höhere Bodenfeuchte zurückzuführen. Positiv hervorzuheben ist, dass in beiden Varianten zu keiner Zeit eine kritische Wasserunterversorgung auftrat.
Besonders ausgeprägt ist der Wachstumsvorsprung (über 30 %) bei Haselnuss, Eberesche, Roteiche, Hainbuche und Vogelkirsche – Arten, die bekanntermaßen gut auf verbesserte Nährstoffbedingungen reagieren. Standorttolerantere Baumarten wie Esskastanie und Traubeneiche zeigen hingegen erwartungsgemäß nur geringe Unterschiede zwischen den Varianten.
Ausfälle liefern wertvolle Erkenntnisse für künftige Pflanzkonzepte.
Höhere Ausfallraten traten insbesondere bei Pfahlwurzlern wie Trauben- und Roteiche sowie bei der Esskastanie auf, die den Grundbestand des Tiny Forests bilden. Als mögliche Ursachen gelten pflanztechnische Effekte wie Feinwurzelverluste infolge der Lochbohrerpflanzung, das Unterschneiden der Wurzeln beim Verschulen sowie notwendige Wurzelkürzungen bei der Pflanzung. Die extrem nassen und schlecht durchlüfteten Bodenverhältnisse im Winterhalbjahr erschwerten offenbar die rasche Neubildung von Feinwurzeln.
Andere Baumarten wie Winterlinde, Baumhasel, Vogelkirsche und Hainbuche sowie Straucharten wie Haselnuss, Eberesche, Holunder und Rote Johannisbeere erwiesen sich hingegen als deutlich robuster.
Insgesamt liegen die Ausfälle mit rund 30 % in der Terra-Preta-Variante und etwa 25 % in der unbehandelten Variante zwar über forstüblichen Richtwerten, sind jedoch im Kontext des Tiny-Forest-Konzepts mit sehr engem Pflanzverband und bewusst einkalkulierter Konkurrenz und Auslese gut vertretbar.


- Die Jahre 2024/2025 waren klimatisch günstig.
Für die Versuchsfläche stellte dieser Zeitraum kein Trockenjahr dar, was die Entwicklung der Pflanzen unterstützte.

- Die Wasserversorgung war durchgehend ausgewogen.
Der Anteil des für Pflanzen frei verfügbaren Wassers während der Vegetationsperioden (Mai bis September) lag während des gesamten Beobachtungszeitraums konstant im optimalen Bereich und weder im Mangel- (<30%) noch im Staunässebereich (>50%).

- Einordnung der Ergebnisse:
Es handelt sich um eine einzelne Versuchsfläche. Entsprechend dienen die Ergebnisse vor allem der qualitativen Bewertung und liefern wertvolle Hinweise für die Weiterentwicklung des Konzepts. Aufgrund
a) fehlender Wiederholungen auf weiteren Flächen und
b) der vergleichsweise kleinen Pflanzanzahl
können derzeit noch keine statistisch belastbaren Aussagen getroffen werden. Die gewonnenen Erkenntnisse stellen jedoch eine sehr gute Grundlage für zukünftige Versuche und Optimierungen dar.